Karl von KoerberDr. oec. troph. Karl von Koerber ist seit 1998 Lehrbeauftragter für Ernährungsökologie an der Technischen Universität München und Leiter des Beratungsbüros für ErnährungsÖkologie. Seit 2008 baut er das Fach Nachhaltige Ernährung an der Technischen Universität München Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt, auf. An diesem Aufbau ist die Buchinger Klinik maßgeblich als Stifter beteiligt. Ziel der Ernährungsökologie ist, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über die vernetzten gesundheitlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen und Auswirkungen des Umgangs mit Lebensmitteln zu gewinnen. Die Forschungen Karl von Koerbers drehen sich unter anderem um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz.
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www.bfeoe.de und www.wzw.tum.de/eoe
"Essen und Fasten für das Klima?“
Der Klimawandel und seine Folgen haben in den vergangenen Jahren eine breite öffentliche Diskussion angestoßen. Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, hat im Auftrag der britischen Regierung 2006 mit seiner wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit über die Folgekosten des Klimawandels für erhebliches Aufsehen gesorgt. Kosten in einer Größenordnung von rund 5,5 Billionen Euro kämen auf die Menschheit zu, wenn nichts gegen den Klimawandel unternommen werde.
2006 lautete die Empfehlung noch, dass rund ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts - etwa 270 Milliarden Euro jährlich - ausgegeben werden müssen, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. „Jetzt sind schon 300 Milliarden pro Jahr nötig“, sagt Karl von Koerber. Wohlgemerkt: Es sind keine vorbeugenden Maßnahmen, sondern Kosten zur Vermeidung der schlimmsten Folgen. Flutkatastrophen, Dürren, Tornados und Hurrikans sind nur die Vorboten. Wenn das Weltklima nur um zwei, statt um sechs Grad, wie befürchtet steigt, kommt es dennoch, so die Prognosen, durch die Gletscherschmelze auf Grönland zu einem Anstieg des Meeresspiegels. „Es wird mehr Flüchtlinge wegen der Klimaänderungen geben, als aus allen anderen Gründen“, warnt Karl von Koerber.
Der Menschheit bleiben nach Ansicht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change: IPCC) nur noch acht Jahre, um das Ruder herum zu reißen. Bis dahin muss der momentan immer noch weltweit steigende Treibhausgasausstoß wieder sinken, wenn die Folgen der Erderwärmung beherrschbar bleiben sollen. Bis 2050 müsse der Ausstoß der Treibhausgase weltweit um 50 Prozent reduziert werden. In den Industrieländern sogar um 80 Prozent.
Ernährung und Klimawandel
Der Fokus der Diskussion liegt dabei auf dem Energieverbrauch, besonders hinsichtlich der fossilen Brennstoffe. Allerdings, so Karl von Koeber „kommt das Thema Ernährung im Komplex Klimawandel kaum vor.“ Dabei zeigt ein Blick auf den Gesamt-Energieeinsatz nach Bedarfsfeldern in Deutschland, dass das, was wir essen, für rund 20 Prozent des bundesweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich ist. Zum Vergleich: 32 Prozent entfällt auf das Wohnen, 17 Prozent auf die Freizeit.
Der Löwenanteil an diesen 20 Prozent geht auf das Konto der Erzeugung tierischer Lebensmittel mit 44 Prozent, acht Prozent auf die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel, 29 Prozent auf Verbraucheraktivitäten (spülen, kochen, kühlen, einkaufen), 13 Prozent verursacht der Transport und sechs Prozent entfallen auf die industrielle Verarbeitung.
Wenn man bedenkt, dass 18 Prozent aller globalen Treibhausgase durch Tierhaltung verursacht werden, wird nach Ansicht Karl von Koerbers deutlich, dass gerade der Bereich Ernährung enormes Potential für eine Reduzierung schädlicher Treibhausgase bietet. Das liegt daran, dass für die Erzeugung von Futtermitteln viel Mineraldünger und damit viel fossile Energie (Erdöl, Erdgas, Kohle) eingesetzt werden muss. Zum anderen geht bei der Umwandlung von pflanzlichen Futtermitteln zu tierischen Lebensmitteln viel Nahrungs-Energie verloren: So benötigt die Herstellung von einer Kalorie Fleisch durchschnittlich sieben Kalorien pflanzliche Futtermittel. Hinzu kommt, dass Wiederkäuer wie Rinder, Schafe oder Ziegen bei der Verdauung Methan freisetzen, dass etwa 23-mal klimabelastender ist als Kohlendioxid.
Bio-Landwirtschaft schützt Klima
Karl von Koerber spricht sich, wenn es um die tierische Lebensmittelerzeugung geht, eindeutig für den Bio-Landbau aus. Bio-Landwirte sind Klimaschützer: Im Bio-Landbau dürfen keine – in der Produktion sehr energieaufwändigen - mineralischen Stickstoffdünger verwendet werden. Das ist der Hauptgrund für die guten Klimawerte von Bio-Lebensmitteln. Stattdessen düngen die Bio-Landwirte mit Mist und Gülle vom eigenen Hof und mit Leguminosen wie Kleegras und Luzerne. Weniger Tiere pro Hektar als im konventionellen Bereich – wie im Bio-Landbau vorgeschrieben – verursachen weniger Mist und Gülle. Das Abbauprodukt der stickstoffhaltigen Dünger dagegen ist Lachgas, 300-mal treibhauswirksamer als Kohlendioxid und damit ein echter Klimakiller.
Nicht nur gesundheitlich besser, auch umweltverträglicher ist der Verzehr pflanzlicher Lebensmittel. Denn der „ökologische Rucksack“ ist wesentlich „leichter“. Im Gegensatz zu tierischen Lebensmitteln ist das Gewicht an Treibhausgasen, das sie erzeugen, deutlich niedriger als ihr Eigengewicht. Das bedeutet, dass Getreide, Kartoffeln und Gemüse, die aus ökologischem Anbau stammen, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Karl von Koerber: „Eine klimaoptimierte Ernährung trägt also erheblich zum Klimaschutz bei. Der Vorteil ist, dass jeder sofort und ohne hohen Aufwand damit beginnen kann. Neuanschaffungen sind für den Verbraucher nicht notwendig. Sie ist gut für die Gesundheit und darüber hinaus lecker und genussvoll.“
Karl von Koerbers Vorschläge zur Klimaentlastung
• Pflanzliche Kost bevorzugen. Der Konsum tierischer Erzeugnisse sollte ebenfalls zugunsten von „Bio statt Massenware“ eingeschränkt werden nach dem Motto „weniger ist mehr“. • Ökologisch erzeugte Lebensmittel bevorzugen. • Regionale Produkte kaufen – hier fallen keine Flugtransporte an, z. B. von Exoten oder Erdbeeren im Winter. • Gemüse und Obst der Saison kaufen – im Winter nicht aus beheizten Treibhäusern. Deren klimaschädliche Emissionen liegen bis zu 30-mal höher. • Frische, gering verarbeitete Lebensmittel sind klimafreundlicher als Tiefkühlpizza, Hamburger & Co.. • Umweltverträglich verpackte Produkte bevorzugen. • Fair gehandelten Lebensmitteln den Vorrang geben. • Auf energieffiziente Haushaltsgeräte umsteigen, Öko-Strom nutzen. • Zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen gehen, statt mit dem Auto.
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