Gibt es Schlacken?
(18.03.08)
Was Entschlackung im Heilfasten tatsächlich bedeutet, erklären Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo und Dr. Eva Lischka.
Zum Thema „Schlacken“
Der Begriff „Schlacke“ stammt aus der metallerzeugenden Industrie und ist definiert als glasig massiver Rückstand aus thermisch metallurgischen Prozessen.
Als Otto Buchinger 1935 den Begriff „entschlacken“ im Zusammenhang mit der Fastentherapie verwendete, war den Menschen der damaligen Zeit das Wort „Schlacke“ als Bezeichnung für die unverbrannten Rückstände der damals üblichen Kohleöfen vertraut. So entstanden bei Fastenärzten für einen gestörten Stoffwechsel bildhafte Vergleiche eines rußenden Ofens, der erst dann wieder gut zöge, wenn er von seinen Schlacken befreit wäre.
Im Volksmund hat sich dieser Begriff „entschlacken“ als Sinnbild für das Entfernen von Überflüssigem, Störendem, ja Schädlichem erhalten. In der herrschenden Medizin gibt es den Begriff „Schlacke“ nicht. Da mittlerweile die medizinische Forschung tiefere Einblicke in die physiologischen Vorgänge des menschlichen Körpers gewährt, erübrigt sich die Verwendung des Begriffs Schlacke in der Medizin, da für die Gesundheit Schädliches, Überflüssiges und Störendes chemisch definiert und benannt werden kann:
- überschüssige Fette, z. B. als erhöhte Triglyceride, Cholesterin und low-density lipoprotein im Blutserum
- erhöhte Harnsäure im Blut und Gewebe als Ursache von Gichtablagerungen
- schädliche, langkettige Zucker-Eiweiß-Verbindungen: advanced glycation endproducts (AGEs) als Promotoren von Arteriosklerose und Alterungsprozessen
- ein Übermaß von Antigen-Antikörper-Komplexen bei Allergien durch überschüssiges Bauchfett (viszerale Adipositas)
- schädlich erhöhte Botenstoffe, wie Insulin, Angiotensinogen, Tumornekrosefaktor alpha, Hormone wie Östrogen, entzündungsfördernde Interleukine, gerinnungspromovierende Faktoren wie Plasminogenaktivatorinhibitor 1 und viele andere.
Heute wissen wir, dass es nicht damit getan ist, schädliche Stoffe „auszuleiten“, sondern in einem komplexen Regelsystem der Gesundheit dienliche Balancen herzustellen.
Immer neue Forschungsergebnisse erzeugen bewunderndes Erstaunen ob der Komplexität dieses Regelwerks an Botenstoffvernetzungen.
Die Fastentherapie erzielt eine hohe Ergebnisqualität, da sie offensichtlich viele dieser Regelsysteme positiv beeinflusst: z. B. sinkt erhöhter Blutdruck, Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern sich, die Stimmung hellt sich nachhaltig auf, die antientzündliche Wirkung für zu Schmerzreduktion, z. B. an den Gelenken bei Rheuma.
Obschon der Begriff Schlacke in der herrschenden Medizin nicht gebräuchlich ist, hat das „Entschlacken“ schon manchen Patienten zur positiven Lebensstiländerung bewegt.
Fasten befreit auch von „seelischen Schlacken“. Unverarbeitete Erlebnisse, alter Groll und Hader, die während einer Fastentherapie oft unvermittelt wieder an die Oberfläche gespült werden, können wahrgenommen und bearbeitet werden, z. B. mit Hilfe einfühlsamer, liebevoller Gesprächstherapie.
So fühlt sich der Mensch nach einem optimalen Fasten körperlich und seelisch im Gleichgewicht.
Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo, Ärztliche Direktorin von Buchinger, und Dr. Eva Lischka, 1. Vorsitzende der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V., forschen und publizieren seit Jahren auf dem Gebiet des Fastens und der Naturheilkunde.
- Bilder:
Die Ärztliche Direktorin von Buchinger Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo