Bewahrer eines großen Erbes
(21.02.07)
Alexander Klee, der Enkel des berühmten Malers Paul Klee (1879–1940), war zu Gast bei Buchinger.
Auf einer Abendsoiree sprach er mit Françoise Wilhelmi de Toledo über die Entstehung des Zentrums Paul Klee in Bern. Ein Beispiel für eine geglückte Kooperation privater Sponsoren und öffentlicher Hand. Aus erster Hand konnten die zahlreichen Zuhörer erfahren, wie die weltweit größte Sammlung eines einzigen Künstlers realisiert wurde.
Paul Klee gehört zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts und lässt sich kunsthistorisch in keine Schublade einordnen. Stets ging er seinen eigenen Weg und suchte immer neue Ausdrucksformen. Er begriff Kunst als eine Art Schöpfungsakt: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar".
Alexander Klee hat seinen Großvater nie kennen gelernt. Er wurde 1940 geboren, dem Todesjahr Paul Klees. Präsent bleibt er ihm dennoch durch die Erzählungen seines Vaters Felix und durch die Werke, die ihn von Kindesbeinen umgeben. Als Felix Klee 1990 stirbt, setzt Alexander Klee das Werk seines Vaters fort und wird Präsident der Paul Klee Stiftung. Ziel der Familie Klee war und ist es, das Oeuvre Paul Klees zu bewahren und lebendig zu erhalten. So entscheidet sie sich Anfang der 1990er einen Großteil des Nachlasses von Felix Klee einem neuen „Paul Klee Museum“ zu stiften.
Livia Klee-Meyer, die zweite Ehefrau von Felix Klee, schenkt ihren Erbanteil von rund 690 Werken 1997 der Stadt und dem Kanton Bern mit der Auflage bis 2006 ein „Paul-Klee-Museum“ zu realisieren. Alexander Klee selbst vergrößert 1998 die zukünftige Sammlung durch 850 Dauerleihgaben und Dokumente aus Familienbesitz. Die Bestände der Paul Klee Stiftung, insgesamt 2 600 Werke, die im Kunstmuseum Bern lagern, sollen ebenfalls ins neue Gebäude integriert werden. Der erste entscheidende Schritt – die großzügige Überlassung der Werke durch die Familie - ist also getan. Aber erst die außerordentliche finanzielle Unterstützung von Professor Maurice E. Müller und seiner Frau Martha Müller-Lüthi, der Stadt Bern und weiteren Sponsoren machen den Bau des Zentrums endgültig möglich. In Schöngrün bei Bern entsteht nach den Entwürfen des Meisterarchitekten Renzo Piano ein Bau, der sich als Terrainartikulation in Form dreier Wellen erhebt und als Landschaftsskulptur harmonisch in die Umgebung einfügt.
Das internationale Kompetenzzentrum Paul Klee öffnet 2005 seine Pforten. Mit insgesamt 4000 Werken verfügt es über die weltweit bedeutendste Sammlung von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen sowie über Archivalien und biografische Materialien aus allen Schaffensperioden von Paul Klee. Im Mittelpunkt steht die Erforschung der Person, des Lebens und Oeuvres Paul Klees und seiner Künstlerkollegen, deren Ergebnisse unter anderem in Sonderausstellungen und im Kindermuseum Creaviva einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden.
Das Zentrum unterscheidet sich wesentlich von traditionellen Kunstmuseen. Es bietet eine Plattform für Musik-, Theater-, Tanz- und Literaturveranstaltungen und versteht sich als Impulsgeber für neue künstlerische Entwicklungen. Dies spiegelt nicht zuletzt die Vielseitigkeit Paul Klees wieder, der ein begnadeter Musiker, Kunsttheoretiker und Lehrer war. Eine Persönlichkeit, die nicht nur Alexander Klee immer wieder inspiriert.
Zentrum Paul Klee