
„Meine neue Leichtigkeit des Seins“Sigrid Herbst (47) verbrachte elf Tage beim Heilfasten bei Buchinger in Überlingen am Bodensee. Hier bringen wir Auszüge aus ihrem Fastentagebuch.
Einfach loslassen und leicht werden. Wer fastet, stellt Körper und Seele neu ein. Am Ende der Enthaltsamkeit steht das Fastenbrechen – mit einem Apfel als köstlicher Mahlzeit. 1. TagStarke Hitzewallungen und vier Kilo zuviel – hier bei Buchinger am Bodensee möchte ich wieder zu meiner alten Form zurückfinden. Ob es mir gelingt? Das Zimmer ist prima, das Personal so nett und freundlich. Gleich am Nachmittag Termin bei der Ärztin, die mich wiegt, meine Taille misst, mich auf dem Ergometer strampeln lässt und alle möglichen Fragen nach meinem Job und meiner Familie stellt. Dann erfahre ich, was ich hier essen soll: Zwei Tage lang nur Obst, danach erst mal gar nichts mehr. Außer Obststaft und Brühe. Nach dem letzten Apfel kuschele ich mich ins Bett. 2. TagFrüh am Morgen Zen-Meditation. Habe Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, grüble die ganze Zeit über das nach, was mir bevorsteht. Danach gibt´s einen Obstteller. Lecker! Und mittags gleich noch mal. Wenn`s doch so bliebe! Dann die Begrüßung durch die Familie Wilhelmi, die die "Klinik" betreibt. Die meisten Gäste sind gar nicht dick. 3. TagSchon 1,2 Kilo abgenommen. Bin riesig stolz auf mich. Doch jetzt wird´s ernst. Der erste Einlauf. Mein Herz klopft. Es ist mir alles etwas peinlich. Aber die Schwester scheint gar nichts dabei zu finden. Und es ist wirklich gar nicht schlimm. Im wahrsten Sinne erleichtert gehe ich zur Fitnessgymnastik. Mein Menü für heute: ein Viertelliter Obstsaft. Und ein Viertelliter Gemüsebrühe. Statt Mittagessen gibt´s Leberwickel. Das tägliche Extra, ein Schälchen Honig bewahre ich mir für den Nachmittag auf. Abends Treffen im Salon. Alle sind fröhlich und aufgekratzt. 4. TagTief und fest geschlafen, aber schon um 6 Uhr (!) wach gewesen! Gehe zur Atemtherapie. Fühle sofort tiefe Entspannung, obwohl ich doch sonst so temperamentvoll bin. Mir gehen Dinge im Kopf herum, an die ich schon ewig nicht mehr gedacht habe. Abends Vortrag: Stressbewältigung. Den Stress, lerne ich, macht man sich meist selbst. 5. TagWieder Meditation, wieder Einlauf. Diesmal schon fast Routine. Nach dem Leberwickel gehe ich am Nachmittag Golf spielen. Schaffe locker 18 Löcher und Schläge, die mir sonst nie gelingen. Supergefühl. Ob das wohl von meiner neugewonnenen inneren Ruhe kommt? Dann ein Schreck: Auf der Terrasse sehe ich meine Mitgolfer – bei Kaffee und Pflaumenkuchen. Ausgerechnet. Hunger habe ich nicht, aber Lust aufs Essen. Schnell weg hier, denke ich. Im Zimmer warten Honigschälchen und Wärmflasche. Ich bin ja so tapfer! 6. TagSchon um 5 Uhr aufgewacht und auf die Waage gestiegen. Hurra, 2,5 Kilo leichter! Nehme an der Frühwanderung um 6 Uhr in das Überlinger Hinterland teil. Einige reden über das Essen, malen sich ihre Lieblingsgerichte in allen Details aus. Das nervt. Versuche, nicht hinzuhören. Andere erzählen sich ihre Lebensgeschichte. Schaffe den langen Marsch ohne Probleme. Nachmittags löst Shiatsu-Massage meine Muskeln. 7. TagBin überrascht, wie gut ich das Fasten schaffe. Gelegentlich denke ich schon mal an ein Stück Kuchen. Aber Hunger habe ich nicht. Verträume den Nachmittag am Pool. 8. TagCheck bei der Ärztin. Sie ist zufrieden. Und ich erst: Die Hitzewallungen und Schlafstörungen sind erheblich weniger geworden. Nachmittags die erste Yoga-Stunde. Die Dehnung tut so gut. 9. TagJetzt könnte ich ewig weiterfasten. Gehe zu einem Gesangsabend. Und ich bin verblüfft, wie erwachsene Leute herzhaft Volkslieder schmettern. Ertappe mich dabei, wie ich mitsinge. 10. TagWieder eine Frühwanderung durch schöne Mischwälder zum Salemer Schloss. Heute ist mein letzter Fastentag. Irgendwie tut es mir leid, dass die Zeit schon vorbei ist. 11. TagFastenbrechen. Langsam, Stück für Stück kaue ich einen Apfel. Wie gut das schmeckt. Aber das Kauen ist ja so anstrengend. Vier Kilo habe ich abgenommen. Ich fühle mich wie neu geboren. Und noch ein weiterer positiver Nebeneffekt: Bei Buchinger habe ich mir das Rauchen abgewöhnt! |
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