Wendepunkt Fasten
Gerade 24 Jahre alt war Martin Backhauß, als man bei ihm die Diagnose Multiple Sklerose (MS) stellte. Schwere Krankheitsschübe zermürbten ihn jahrelang. Als schulmedizinisch fast alle Therapien ausgereizt waren, entschloss sich der Kölner Multimedia Producer als letzten Ausweg auch alternative Behandlungsmethoden zu versuchen. Der siebenwöchige Aufenthalt bei Buchinger brachte die entscheidende Wende. Seitdem er mit der Buchinger-Methode therapiert wurde, ist er frei von schweren MS-Schüben und hat ein völlig neues Lebensgefühl entwickelt. Im folgenden Interview erzählt Martin Backhauß offen von der Geschichte seiner Erkrankung und seiner Genesung bei Buchinger.
Buchinger: Wann haben Sie das erste Mal gespürt, dass Sie ernsthaft krank sind? Martin Backhauß: Das war 1999. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem sich die Auswirkungen das erste Mal einstellten. Ich war damals auf einem Konzert in Köln, das ich mit Freunden besuchte. Zu der Zeit lebte ich in Düsseldorf. Vor dem Konzert trafen wir uns und haben noch gegessen und getrunken. Ich war damals 23 Jahre alt und lebte das Leben eines 'gewöhnlichen' jungen Menschen. Dazu gehörten eben auch Alkohol, Partys und lange Nächte. An dem besagten Abend hatte ich vor, die Nacht in Köln zu verbringen und am nächsten Tag zurück nach Düsseldorf zu fahren. Auf dem Konzert wurde mir plötzlich sehr schwindelig. Mein Blickfeld drehte sich ständig und es war besonders schlimm bei heftigen Bewegungen des Kopfes, beim Aufstehen und dann auch beim Laufen. Ich torkelte wie ein Betrunkener, war jedoch nüchtern. Meine Freunde machten Witze und meinten dann auch, ich solle besser nach Hause gehen. Auf der Autobahn wurde es immer schlimmer. Doppelbilder und Schwindel. Ich musste anhalten und mich übergeben. Zuhause ging das so weiter. Ich fiel ins Bett und bei jeder Kopfbewegung fuhr ich auf der heftigsten Achterbahn, die man sich vorstellen kann. Ich bekam Angst und rief den Notarzt an. Der kam, untersuchte mich und stellte den Verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Er schrieb mich mehrere Tage krank. Die Beschwerden vergingen bald wieder und ich lebte mein altes Leben weiter. Dann, an einem Abend im Altenheim, wo ich an der Rezeption jobbte, konnte ich meinen Namen am Telefon nicht mehr aussprechen. Ich war wie blockiert und hatte eine verwaschene Sprache. Wieder lallte ich ähnlich einem Betrunkenen. Da merkte ich, dass nun wirklich etwas nicht in Ordnung ist.
Buchinger: Wie ging es dann weiter? Martin Backhauß: Nun folgten viele, viele Arztbesuche. Es wurde der Verdacht auf Borreliose oder MS gestellt. MS war mir kein Begriff. Beim Zivildienst hatten viele Kinder, mit denen ich in die Freizeit fuhr, Zeckenbisse und Borreliose machte deshalb absolut Sinn. Ich wurde ins Krankenhaus geschickt und dort komplett auf den Kopf gestellt. Eine Lumbalpunktion wurde durchgeführt sowie MRTs von Kopf und Wirbelsäule. Die Diagnose lautete schließlich MS. Ich konnte mit der Diagnose nichts anfangen. An der Reaktion meiner Eltern konnte ich jedoch erkennen, das MS eine schlimme Erkrankung war. Ich bekam immer mehr Puzzleteile zum Krankheitsbild und den möglichen Problemen und verlor den Boden unter den Füßen.
Buchinger: Wie sah die Behandlung nach der Diagnose aus? Martin Backhauß: Es folgten Jahre der Angst. Ich wusste nicht, wie ich weiterleben sollte und wie ich mein Leben ändern soll und kann. Ich machte einfach weiter wie bisher und verdrängte die Krankheit. Es erfolgte sofort eine Langzeittherapie mit Interferon. Nach der Injektion stellten sich jedes Mal Grippe ähnliche Zustände ein. Starker Schüttelfrost und Kopfschmerzen, worauf ich Medikamente gegen die Nebenwirkungen nahm. Trotzdem traten die Schübe auf. Bei einem Schub bekam ich dreimal hintereinander 1000 mg Cortison als Infusion und Cortisontabletten. Ich war durch das Cortison aggressiv und geladen. Ich stand so stark unter Strom, dass ich Nächte durcharbeiten konnte, es war wie ein ständiger Energieschub. Dann kamen Magenprobleme bis zu Krämpfen, Kopfschmerzen und die bekannten Nebenwirkungen des Cortisons. Die Haare fielen aus, ich bekam ein aufgedunsenes Gesicht und glasige Augen. Meine gesamte Mundschleimhaut löste sich ab und der ganze Mund und Rachenbereich brannte. Nach dem Cortison kam die Phase des völligen körperlichen Zusammenbruchs. Der Körper holte sich die verbrauchte Energie. Ständige Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Schmerzen, Ausschläge, Depressionen und extreme Heiserkeit waren die Folge. Die Neurologin verschrieb mir weitere Medikamente. So nahm ich schließlich die Spritzen, die Schmerzmittel gegen die Nebenwirkungen der Spritzen, Cortison als Infusion und Tabletten, Magentabletten, Antidepressiva, die höchste Dosis Schlaftabletten, Beruhigungsmittel. Ich verlor die Kontrolle über mein komplettes Leben.
Buchinger: Was löste bei Ihnen die Wende aus, es mit alternativen Behandlungsmethoden zu versuchen? Martin Backhauß: Um all dies zu verkraften, ging ich zum Psychologen. Die Schübe traten nun über die Zeit alle paar Monate ein und es ging mir immer schlechter. Ich verlor meinen kompletten Freundeskreis und zog mich total zurück, wurde schwer depressiv und dachte oft an Suizid. Gesundheitlich und psychisch am Ende, war der letzte schulmedizinische Rat meiner Neurologin mir monatlich eine Chemotherapie zu verabreichen. Das legte in mir einen Hebel um. Ich verneinte und mir wurde klar, dass ich ganz alleine die Verantwortung für mein Leben und meine Gesundheit übernehmen musste. Ich raffte mich nach fast sechs Jahren auf und informierte mich so gut es ging über die Krankheit und recherchierte im Internet nach Leuten, die die Krankheit in Griff bekommen haben. Ich stieß auf die Seite von Ivonne Radtke. Ivonne erzählte mir von den Fortschritten, die sie in der Buchinger Klinik gemacht hatte. Ich vertraute ihr und beantragte eine Kur. Diese wurde genehmigt und ich war kurz darauf auf dem Weg zu Buchinger, ohne zu wissen, was mich dort genau erwartet.
Buchinger: Wie ging es Ihnen zu Beginn Ihrer Behandlung bei Buchinger? Martin Backhauß: Durch den Stress der Beantragung und den vielen Sorgen zu der Zeit kam es, dass sich Wochen vor Reiseantritt ein weiterer Schub einstellte, der so schlimm war, dass ich kurzzeitig im Rollstuhl saß, weil meine Beine versagten. Nach diesem schwersten Schub kam ich zu Buchinger mit einem erneuten aktiven Schub. Ich konnte meinen rechten Arm und die Finger nicht koordinieren und hatte starke Schmerzen - auch das eine Begleiterscheinung der MS. Entsprechend traurig und besorgt war ich um den Erfolg des Klinikaufenthaltes.
Buchinger: Waren Sie überrascht vom Therapieplan? Martin Backhauß: Nach der Grunduntersuchung wurde der Therapieplan erstelllt. Mir war das alles neu und fremd und ich wurde mit Sachen konfrontiert, von denen ich nie gehört hatte. Heilfasten, Einläufe, Darmsanierung, Öle einnehmen. Ich war jedoch so am Ende, dass ich mich entschloss, hier alles mitzumachen und den Ärzten und Therapien zu vertrauen. Ich war völlig offen für alles. Also stieg ich ins komplette Buchingerprogramm ein. Ich bekam hochdosierte Mineral-Vitamininfusionen, das Kousmine-Ernährungsprogramm mit Reinigungseinläufen und Ölinstallationen. Zusätzlich bekam ich Atemtherapie, Cranio-Sacraltherapie, psychologische Einzeltherapie, Shiatsu, Krankengymnastik und viel viel Ruhe. Auch die wunderbare Buchingerküche lernte ich kennen und lieben. Ich war total überrascht zu sehen, was in der vegetarischen Küche überhaupt alles möglich ist. Ich ging jeden Morgen vor dem Frühstück zur Zen-Mediation und besuchte alle Veranstaltungen und Vorträge.
Buchinger: Welche körperlichen und seelischen Veränderungen konnte Sie spüren? Martin Backhauß: Nach und nach kamen meine Kräfte zurück und ich vertraute der Buchinger-Methode immer mehr. Ich konnte mich wieder mit rechts rasieren und mein Essen selbst klein schneiden. Vor dem Aufenthalt fasste ich den Entschluss auch meine Psyche aufzuräumen. Mein Gefühl sagte mir, dass darin der wichtigste Schritt für eine Gesundung lag. Mit dem Psychologen der Buchinger Klinik ging ich in die Tiefen meiner Psyche und weit in die Vergangenheit. Mir wurden Zusammenhänge deutlich und ich konnte verdrängte sowie schmerzliche Erfahrungen aufarbeiten und Blockaden auflösen. Das war keine einfache Arbeit, aber eine überaus wichtige. Da die psychologische Arbeit in meine Therapieplanungen eingebunden war und die Therapeuten und Ärzte Hand in Hand arbeiteten, war es möglich eine ganzheitliche, umfassende Behandlung zu erhalten. Ich machte große Fortschritte und spürte, wie ich kräftiger und zuversichtlicher wurde. Durch den gut dokumentierten Krankheitsverlauf und die Ausgangssituation zu Beginn des Buchingeraufenthaltes, konnten die Ärzte und Pfleger an meinem Fall erkennen, wie das Buchinger-Konzept für mich voll aufging.
Buchinger: Was war für Sie der Schlüssel zu Ihrer Genesung? Martin Backhauß: Ich konnte erkennen, wie wichtig es ist, für sein Leben Verantwortung zu übernehmen. Es gehört natürlich eine große Bereitschaft dazu, Veränderungen im eigenen Leben zuzulassen und auch zu veranlassen. Neben mir waren andere MS-Patienten im Haus. Ich konnte sehen, wie es mir immer besser ging und anderen schlechter. Diese Menschen waren jedoch nicht bereit, das gesamte Angebot für sich in Anspruch zu nehmen. Man kann nicht erwarten, dass der alleinige Besuch der Klinik ein Garant dafür ist, gesund zu werden. Jemand der nicht bereit ist, das Rauchen aufzugeben, die Ernährung zu verändern, die Darmsanierung und das Therapieprogramm in seiner Fülle aktiv zu erleben und auch zu verinnerlichen, wird wenig dauerhaften Erfolg haben.
Buchinger: Sie haben sogar das Heilfasten probiert. Wie verlief diese Erfahrung? Martin Backhauß: Dadurch, dass ich mich mit dem Buchinger-Programm eingehend beschäftigte, Gespräche mit den Ärzten führte und die Erfolge am eigenen Leib erleben konnte, setzte ich meine schulmedizinische Medikation - die Spritzen - ab. Ich hatte vorher nicht den Mut und wollte es genau überlegen und abwägen. Doch der Erfolg sprach für sich und ich wollte mein neues Leben ohne Altlasten starten. An dieser Stelle hatte ich die Möglichkeit, das legendäre Buchinger Heilfasten selbst auszuprobieren. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt mit vielen Gästen und Patienten der Klinik gesprochen, die mir alle den Erfolg bestätigten und überzeugt davon waren. Auch war es verblüffend zu sehen, wie manche Gäste anreisten und wie sie die Klinik verließen. Ich war vorsichtig, da ich nicht Gewicht verlieren wollte und von mancher Seite gewarnt wurde, dass ein Schub ausgelöst werden könnte. Ich wollte einen Neuanfang und die Reinigung des Körpers spielt hier auch symbolisch eine wichtige Rolle. Der Anfang war ungewohnt und ich wurde launisch. Dann nach dem dritten Tag fühlte ich mich schon viel besser. Ich verlor jedoch schnell an Gewicht. Am fünften Tag hätte ich Bäume ausreißen und die Erde retten können, aber die Ärzte beendeten das Fasten, damit ich nicht noch mehr Gewicht verliere. Trotzdem war es eine einmalige und wichtige Erfahrung für mich, die ich nicht missen möchte. Wirklich etwas loszuwerden und gehen zu lassen ist eine sehr nützliche Empfindung.
Buchinger: Wie fühlten Sie sich, als Sie die Buchinger Klinik verließen? Martin Backhauß: Ich hatte einen gesundeten Körper, eine starke Psyche, eine sehr gute positive Einstellung zum Leben gewonnen, war physisch, psychisch und spirituell gereift. Ich war in der Lage und fest entschlossen, das in der Buchinger Klinik Gelernte in mein Leben zu integrieren und zu verfeinern. Ich verließ dankbar und glücklich die Klinik mit vielen neuen Erkenntnissen, Einstellungen und Möglichkeiten und habe diese Erfahrungen bereits ein zweites Mal hier gefestigt. Ich habe gelernt mit meinem Körper und vor allem mit der Seele umzugehen. Ich kann die Signale, die mir Körper und Seele geben, erkennen und im täglichen Leben berücksichtigen. Mache ich dies nicht, nimmt der Körper die Symptome der MS zur Hilfe, um mich wieder daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist für mein Leben.
Buchinger: Wie sieht heute Ihr Leben aus? Martin Backhauß: Ich lese viel und kann mir nicht mal mehr vorstellen, vor dem Fernseher wertvolle Zeit zu verlieren. Ich lebe nun ohne Fleisch, Alkohol und Nikotin. Zu Hause führe ich das Kousmine-Programm konsequent fort und meditiere jeden Morgen mindestens 20 Minuten. Ich habe auch gelernt, dass ich manche Leute einfach überfordere mit den vielen Erkenntnissen der Buchingerzeit. Die Entwicklung, die ich gemacht habe, kann niemand anderes so durchmachen. Jeder geht seinen eigenen Weg und jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das zu erkennen ist ein langer und in meinem Fall schmerzhafter Weg gewesen. Die MS ist für mich nicht mehr einfach eine harte Krankheit. Dieser Begriff ist zu negativ. Ich sehe sie als Begleiter. Sie ist in mein Leben gekommen, um mir die Augen zu öffnen. Ich denke, jeder sollte sich überlegen, ob er wirklich das Leben lebt, was er sich für sich wünscht. Krankheiten sind vielleicht ein Weg des Körpers darauf aufmerksam zu machen, das hier etwas nicht stimmt. Nun mag es Menschen geben, die das als abgedroschen oder abgehoben empfinden. Kritiker und Skeptiker sollen darüber lächeln. Ich kann nur sagen, ich bin seit knapp zwei Jahren schubfrei und glücklich und gehe dieses Jahr für längere Zeit in die USA.
Buchinger: Herr Backhauß, wie danken Ihnen für das Gespräch.
Mehr über Martin Backhauß unter http://www.ms-ratgeber.de/cgibin/kontakt.cgi und bei uns in den Medienberichten, Healthy Living vom Februar 2007.
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