Dr. Otto Buchinger
Dr. Otto Buchinger, der Begründer des Buchinger Heilfastens, kam durch eigenes Leiden zur Fastentherapie. Eine nicht auskurierte Mandelentzündung verursachte ein entzündliches Gelenkrheuma; als Invalide musste er seine Tätigkeit als Marinearzt aufgeben. Nachdem ihm die damalige Medizin (Antibiotika waren noch unbekannt ) nicht helfen konnte, riet ihm ein Marinekamerad zum Fasten. Er ergriff diesen – letzten – Strohhalm und führte bei Dr. Riedlin in Freiburg eine Fastenkur durch. „Diese Kur“ schrieb er später „rettete mir Leben und Existenz“. Sie war die schwerste, die er auch später als Arzt bei einem Patienten erlebte, mit Erbrechen und Ohnmachtsanfällen, aber: „Ich konnte meine Glieder wieder bewegen wie ein junger Rekrut! “.
Zuerst in Witzenhausen an der Werra, dann in Bad Pyrmont entwickelte er die Heilfastenmethode weiter und beschrieb sie in seinem Buch „Das Heilfasten“, erschienen 1935, das zum Standardwerk wurde und heute in der 28. Auflage vorliegt. Daneben betreute er eine kontinuierlich wachsende Zahl von Fastenpatienten und -patientinnen in einem großen „Sanatorium“ und wirkte in Artikeln, Vorträgen und Briefen auch öffentlich.
Entscheidend waren für ihn Alkohol- und Tabakabstinenz sowie die „Lebensreform“, mit den Schwerpunkten Ernährung und Bewegung. Daneben nahm er schon damals den „inneren Menschen“ (die Seele) ernst, ja, er empfahl auch für diesen eine Reihe von „Hygiene“-Maßnahmen wie (gern getane) Arbeit, Humor, Natur, ein Nebenamt, Lesen und „gute Begleiter“. Aber auch den Geist empfand er gerade im Fasten als behandlungsbedürftig, denn entgegen landläufiger Meinung ist es nicht der Körper, sondern die Seele, die "hungert". Der überzeugte Christ und gebildete Vielleser empfahl seinen Patienten "geistige Nahrung" (Psalmen, Angelus Silesius, Goethe), er selbst interpretierte in sogenannten „kollektiven Sprechstunden“ Rilke-Gedichte, spielte Beethoven-Symphonien auf dem Grammophon vor. |
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